Feinstaub-Problematik

27. Februar 2017

Nur Altgeräte mit hohem Schadstoffausstoß betroffen

In den vergangenen Tagen wurde in den Medien √ľber eine drohende Zwangsstilllegung beziehungsweise Filterpflicht f√ľr Kamin- und Kachel√∂fen berichtet.

Durch die sehr verk√ľrzte Darstellung ist der Eindruck entstanden, dass es sich um eine generelle und sofortige Pflichtma√ünahme f√ľr alle Ger√§te handelt. Der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks weist darauf hin, dass die geplanten Regelungen f√ľr Feuerst√§tten erst noch Bundesrat und Bundestag passieren m√ľssen. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand m√ľssen die Eigent√ľmer von Kamin- und Kachel√∂fen bis Ende 2012 nachweisen, dass ihr Ofen bestimmte Emissionsgrenzwerte einhalten kann.

Neue Regeln f√ľr Feuerst√§tten:
– Wer wird betroffen sein?
– Was muss ich jetzt machen?
Mit der Revision der „Ersten Verordnung zur Durchf√ľhrung des Bundesimmissionsschutzgesetzes“ – kurz 1. BImSchV – plant der Gesetzgeber, erstmals auch die Emissionen von Kleinstfeuerungsanlagen wie z.B. dem klassischen Kamin oder Kachelofen zu regeln. Hintergrund der Verordnung ist im Wesentlichen der Feinstaub-aussto√ü h√§uslicher Feuerst√§tten, wobei rund 2/3 der Gesamtemissionen durch Ger√§te, die 20 Jahre und √§lter sind, verursacht werden. Der Entwurf zur 1. BImSchV wird voraussichtlich noch in diesem Jahr dem Kabinett zugeleitet und muss anschlie√üend noch vom Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden. Nachstehend einige Erl√§uterungen zu den wichtigsten Punkten der geplanten Neuregelungen nach derzeitigem Kenntnisstand:
Welche Geräte sind betroffen?
Die neue Verordnung bezieht sowohl Alt- als auch Neugeräte ein und sieht moderate Übergangsfristen vor.
Wie sind die Regelungen f√ľr Altger√§te?
Die neue 1. BImSchV wird zunächst einmal Emissionsgrenzwerte festlegen.
F√ľr bereits installierte Feuerst√§tten gelten nach dem Verordnungsentwurf dann die folgenden Regelungen mit moderaten √úbergangsfristen:
1. Die Einhaltung der Emissionsgrenzwerte muss nachgewiesen werden. Dies bedeutet jedoch nicht automatisch eine vor Ort Messung durch den Schornsteinfeger. Denn alle in Deutschland in Verkehr gebrachten Feuerst√§tten sind seit jeher einer so genannten Typenpr√ľfung zu unterziehen. Hierbei wurden zum Teil auch die Emissionswerte gemessen und liegen damit dem Hersteller so bereits in vielen F√§llen vor. Ab Anfang 2008 wird es auch eine Online-Datenbank geben, in der Endverbraucher, Schornsteinfeger und Beh√∂rden das Einhalten der geplanten Emissionsgrenzwerte einzelner Feuerst√§tten und die sich daraus ergebenden Ma√ünahmen und M√∂glichkeiten abfragen k√∂nnen. √úbrigens befindet sich auf jedem Ger√§t ein Typenschild, das neben dem Herstellernamen auch den Ger√§tetyp benennt.
2. Werden die Emissionsgrenzwerte nicht eingehalten, besteht die M√∂glichkeit zur Nachr√ľstung, beispielsweise mit Vorrichtungen zur Emissionsminderung (Filter). Diese sind bereits schon heute erh√§ltlich.
3. Auch kann der Austausch des alten, emissionsträchtigen Gerätes gegen eine neue Feuerstätte mit hohem Wirkungsgrad und geringen Emissionen vorgenommen werden. Rund 2/3 aller bereits installierten Feuerstätten stehen frei und sind nicht fest eingebaut, so dass der Austausch ohne viel Aufwand erfolgen kann. Aber selbst ummauerte Heizeinsätze z.B. in Kachelöfen können in vielen Fällen problemlos ersetzt werden. Selbst dies rechnet sich in vielen Fällen.
4. Erst wenn die Emissionsgrenzwerte nicht eingehalten werden und die Nachr√ľstung bzw. der Austausch nicht gew√ľnscht wird, droht f√ľr entsprechende Altger√§te die Stilllegung.
Wichtig: Die √úbergangsfristen f√ľr Altger√§te
F√ľr Altger√§te greifen die neuen Regelungen ? so der derzeitige Planungsstand ? erst ab 2015! Der Verordnungs-entwurf richtet sich dabei nach dem Jahr der Typenpr√ľfung.
Die ersten Ger√§te, die von den geplanten Ma√ünahmen betroffen sein werden, sind √Ėfen, die vor dem 1. Januar 1975 der Typenpr√ľfung unterzogen wurden ? und damit im Jahre 2015 bereits 40 Jahre und √§lter sind. Weitere drei Stufen f√ľr unterschiedliche Jahre der Typenpr√ľfung folgen bis Anfang 2025. Die letzte Stufe, die nach derzeitiger Planung mit dem Jahreswechsel 2024/2025 kommt, umfasst alle Ger√§te, die ab 1995 bis zum In-Kraft-Treten der Novelle gepr√ľft wurden. Durch die klare Regelung der √úbergangfristen erh√§lt der Verbraucher Planungssicherheit und kann sich langfristig auf die durchzuf√ľhrenden Ma√ünahmen vorbereiten.
Rechnet sich der Austausch von Altger√§ten √ľberhaupt?
Moderne Geräte verbrauchen aufgrund des höheren Wirkungsgrades weniger Brennstoff. Damit ist CO2-neutrales Heizen mit Holz auch unter den neuen Auflagen wirtschaftlich interessant und ökologisch sinnvoll. Der Austausch von veralteten Feuerstätten schont den Geldbeutel und hilft der Umwelt.
Wird es bei den Altgeräten auch Ausnahmen geben?
Ja ? Ausnahmen sind geplant. So sind private Kochherde, Back√∂fen, Bade√∂fen, offene Kamine sowie √Ėfen, die vor 1950 errichtet wurden, von der neuen 1. BImSchV ausgenommen.
Wie sind die Regelungen f√ľr Neuger√§te?
Die neue 1. BImSchV gilt selbstverst√§ndlich auch f√ľr Neuger√§te. Sie sieht zwei Stufen f√ľr die einzuhaltenden Emissionsgrenzwerte vor, wobei die erste Stufe unmittelbar mit In-Kraft-Treten der neuen Verordnung verkn√ľpft ist. Die zweite Stufe beginnt dann im Jahre 2015 mit niedrigeren Grenzwerten. Demnach muss auch f√ľr Neuger√§te die Einhaltung der Emissionsgrenzwerte nachgewiesen werden. Dies bedeutet wie bei den Altger√§ten jedoch nicht automatisch eine vor Ort Messung durch den Schornsteinfeger. Die Ergebnisse der Staubmessungen im Rahmen einer Typenpr√ľfung sind hier ebenfalls als Nachweis ausreichend. Entsprechende Angaben zum Hersteller und um welchen Ger√§tetyp es sich handelt, sind auf dem Typenschild am Ger√§t angebracht. Dies erm√∂glicht es, die Einhaltung der Grenzwerte beim Hersteller anzufragen oder ab Anfang 2008 in der neuen HKI-Datenbank zu recherchieren.
Wichtig: Ger√§te, die die Anforderungen der 1. Grenzwertstufe erf√ľllen, genie√üen Bestandsschutz und d√ľrfen auch nach In-Kraft-Treten der 2. Stufe weiter betrieben werden!
Als Faustregel gilt: Die meisten der heute im Verkauf befindlichen Ger√§te erf√ľllen die geplanten Anforderungen der ersten Stufe ? und zwar unabh√§ngig von der Preisklasse. Diesen Ger√§ten droht weder Stilllegung noch Filterzwang oder Austausch. Zum Nachweis der Einhaltung der Emissionsgrenzwerte gibt es verschiedene M√∂glichkeiten, wie beispielsweise das Zertifikat „DINPlus gepr√ľft“.
Nicht der Preis entscheidet, sondern die Technik
Die Ger√§te-Emissionen sind nicht von dem Preis des Ger√§tes abh√§ngig, sondern von der Ger√§tetechnik, die in den vergangenen Jahren beachtliche Fortschritte gemacht hat. Dies gilt sowohl in Bezug auf die Emissionen als auch hinsichtlich der Steigerung des Wirkungsgrades. Fabrikneue Kamin√∂fen, Heizkamine und Kachel√∂fen verursachen heute nur noch einen Bruchteil der Emissionen von Feuerst√§tten, die in den 1970er Jahren produziert worden sind. Alle auf dem deutschen Markt befindlichen Ger√§te werden von unabh√§ngigen Feuerst√§tten-Pr√ľfstellen einer ausf√ľhrlichen technischen Untersuchung unterzogen, die auch heutzutage das Emissionsverhalten im Rahmen der bereits erw√§hnten Typenpr√ľfung dokumentiert.
HKI-Online-Datenbank gibt Auskunft √ľber den technischen Stand von Feuerst√§tten
Durch eine Optimierung der Verbrennungstechniken sind in den letzten Jahren bereits erhebliche Verminderungen der Emissionen von Feuerst√§tten f√ľr feste Brennstoffe erzielt worden. Damit Endverbraucher, Schornsteinfeger und Beh√∂rden das Einhalten der geplanten Emissionsgrenzwerte einzelner Feuerst√§tten und die sich daraus ergebenden Ma√ünahmen und M√∂glichkeiten abfragen k√∂nnen, bietet der HKI-Verband ab 2008 eine entsprechende Online-Datenbank zur Recherche an.
Was sollte ich jetzt tun?
Sind Sie bereits Besitzer einer Feuerst√§tte, sollten Sie abwarten. Denn die neue 1. BImSchV muss noch vom Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden. Dementsprechend stehen auch die zu erwartenden Regelungen noch nicht endg√ľltig fest. Planen Sie die Anschaffung einer neuen Feuerst√§tte, sollten Sie beim Kauf nach den Emissionswerten der Feuerst√§tte fragen oder auf das DINPlus-Zeichen und andere Zertifikate achten. Nutzen Sie zudem ab Januar 2008 die neue HKI-Online Datenbank, um sich √ľber Eigenschaften Ihres Ger√§tes zu erkundigen.